Haustür mit Willkommensschild

Der Trend, sich in Krisenzeiten in die eigenen vier Wände zurückzuziehen, es sich gemütlich zu machen und der komplizierten und oft unerfreulichen oder besorgniserregenden Außenwelt die kalte Schulter zu zeigen, nennt sich „Cocooning“. Der Begriff kommt aus dem Englischen und bezeichnet eigentlich das „sich in einen Kokon einspinnen“, auch Verpuppung genannt. Besonders TV-Hersteller, Einrichtungssendungen, Möbelhäuser und Schokoladenhersteller profitieren von diesem Effekt. Aber man möchte ja dennoch seine Freundschaften und Geschäftskontakte pflegen und nicht jeden Abend vor dem Fernseher sitzen. Fernsehsendungen wie „Das perfekte Dinner“ haben diesen Trend aufgenommen – die Einladung nach Hause. Damit Sie sich stilsicher als Gastgeber bewegen können, möchte ich Ihnen einige Tipps geben.

Mit der Einladung können Sie Ihren Gästen einen Überblick verschaffen, was sie erwartet. Die Einladung sollte die Namen der Personen, den Anlass der Einladung, das Datum und den genauen Beginn, Ihre Anschrift, evtl. mit der Angabe von Parkmöglichkeiten sowie eine Anfahrtskizze oder Wegbeschreibung enthalten. Ein Bekleidungsvermerk kann sehr sinnvoll sein, um Ihre Gäste davor zu bewahren, falsch gekleidet zu erscheinen. Neben den klassischen Dresscode-Angaben wie dunkler Anzug, Smoking, kein Krawattenzwang ist auch ein entspanntes Ausformulieren möglich, z.B. „Bei schönem Wetter wollen wir im Garten feinern. Bitte wählen Sie bequeme Kleidung und für den Abend eine Jacke oder einen Pullover“, oder „Die Herren sehen wir gerne im Jackett, doch ohne Krawatte“.

Ein guter Gastgeber zeichnet sich durch stetige Aufmerksamkeit und Regieführung durch den ganzen Abend aus. Dadurch schaffen Sie Sicherheit für Ihren Besuch und entspannen damit den Aufenthalt.
Ihre Gäste persönlich willkommen zu heißen und ihnen bei der Garderobe behilflich zu sein ist selbstverständlich. Als Gastgeber ergreifen Sie die Initiative und reichen Ihren Gästen als erstes die Hand, auch wenn der Gast ranghöher, z.B. Chef oder Kunde sein sollte. Gibt es Rangunterschiede bei den Gästen, so begrüßen Sie z.B. erst den Chef und dann die Kollegin. Sind z.B. ein Kollege und seine Frau zu Gast bei Ihnen, dann begrüßen Sie zuerst die Frau und dann den Herrn. Sollten Sie die Dame noch nicht persönlich kennen, dann begrüßen Sie den Kollegen und warten, bis er Sie mit seiner Partnerin bekannt macht. Bei Verwandtschaftsbesuch, z.B. Onkel und Cousine, begrüßen Sie zuerst den Onkel, da dieser der Ältere ist, und anschließend die Cousine. Auf verspätete Gäste wartet man höflicherweise 15 Minuten und serviert für den pünktlich eingetroffenen Besuch z.B. einen Aperitif.

Die Schuhe gehören zum Gesamt-Outfit und in unserer Kultur ist es nicht üblich, die Schuhe auszuziehen. Ein höflicher Gast fragt dennoch nach, ob er die Schuhe ausziehen soll und klopft diese zumindest am Eingang auf dem Fußabtreter gut ab. Wenn Sie empfindliche Böden haben, sollten Sie diese mit zusätzlicher Auslegerware schützen. Teppiche lassen sich professionell reinigen. Wenn Sie Angst um Ihre Möbel oder Böden haben, sollten Sie Ihre Einladung in eine andere Lokalität verlegen, denn selbst der höflichste und liebste Gast ist nicht davor gefeit, dass er ein Weinglas umstößt. Im engeren Freundeskreis ist es natürlich möglich, die Gäste darum zu bitten, dicke Socken oder Hausschuhe mitzubringen.

Sollten sich Ihre Gäste nicht alle untereinander kennen, ist es die Pflicht des Gastgebers, die Personen einander vorzustellen und mit einem kleinen positiven Impuls, z.B. „wir trainieren im gleichen Fitness-Studio“ oder „Frau Müller ist eine langjährige sehr engagierte Arbeitskollegin“ einen Gesprächsansatz für Ihre Gäste herzustellen. Tischkarten sind in einer kleineren Runde nicht erforderlich. Hier können Sie verbal äußern, für wen Sie welchen Platz angedacht haben. Der Ehrenplatz befindet sich immer rechts vom Gastgeber. Die ranghöchste Frau sitzt rechts neben dem Gastgeber, der ranghöchste Herr sitzt rechts neben der Gastgeberin. Je weiter ein Platz von Ihnen entfernt ist, desto niedriger wird er im Rang eingestuft. Planen Sie bei der Sitzordnung aber auch, wie sich die Gäste untereinander unterhalten können. Gibt es gemeinsame Interessen? Ziel sollte ein angenehmer Abend mit guten Gesprächen sein.

Eine Begrüßungs- oder Tischrede müssen Sie zwar nicht unbedingt halten, aber dennoch kommen ein paar begrüßende Worte des Gastgebers z.B. beim ersten Toast recht gut an. Gut erzogene Gäste warten mit dem Trinken, bis der Gastgeber als erstes das Glas erhebt, daher sollten Sie damit nicht zu lange warten. Da Ihre Gäste nicht wissen, wann sie mit dem Essen beginnen dürfen, ist es die Gastgeberpflicht, das Essen freizugeben bzw. das Buffet zu eröffnen. Bei einem gesetzten Essen greifen Sie als Gastgeber zum Besteck und nehmen den ersten Bissen – die Gäste folgen ihrem Beispiel.
Bei Peinlichkeiten oder Pannen, z.B. einem umgestoßenen Weinglas schauen Sie nicht lange zu, sondern eilen schnell zur Hilfe. Als perfekter Gastgeber überblicken Sie das gesamte Geschehen und lenken die Konversation, falls das Tischgespräch aus den Fugen geraten sollte oder jemand den Anschluss verloren hat.

Wann ist der Abend zu Ende? Die klassische Etiketteregel gibt hier vor, sich als Gast eine halbe Stunde nach dem Essen bzw. Espresso zu verabschieden, sofern der Gastgeber keine anderweitigen Signale sendet. Sollen die Gäste noch bleiben, können Sie als Gastgeber z.B. anbringen „Habt Ihr noch Zeit? Dann würde ich gerne noch den wunderbaren Rotwein aufmachen und zusammen mit Euch noch den weiteren Abend genießen“. Möchten Sie den Gästen sanft zu verstehen geben, dass der Abend zu Ende geht, können Sie sagen: „Darf ich Ihnen noch einen letzten Absacker anbieten?“ oder „Wie kommen Sie nach Hause? Darf ich Ihnen ein Taxi bestellen?“. Die Verabschiedung der Gäste ist mindestens genau so wichtig wie die Begrüßung. Der letzte Eindruck bleibt am Stärksten in Erinnerung. Eine persönliche und herzliche Verabschiedung Ihrer Gäste ist daher unverzichtbar.